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Gefühlsfrage
Von Holger | 22.März 2007
Ich hab ja schon erzählt, dass ich für einen Film recherchiere, der in der DDR spielt. Vor allem geht es mir darum, ein bisschen eine Vorstellung von dem Alltag, dem Lebensgefühl der Jugendlichen damals zu bekommen. Was hat man da zum Beispiel für Musik gehört, hat man Modezeitschriften gelesen, wo haben sich Jugendliche getroffen …
Gibt es eigentlich Bücher aus jener Zeit, die genau das beschreiben? Oder Filme?
Der Beitrag wurde
am Donnerstag, den 22. März 2007 um 18:01 Uhr von Holger veröffentlicht.
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Topics: Allgemein

Am 24. März 2007 um 19:26 Uhr
hej,
die einzigen bücher die mir einfallen sind ‘zonenkinder’ von jana hänsel und ‘am kürzeren ende der sonnenallee’ von thomas brussig.
unbedingt gucken musst du ‘chronik der kinder von golzow’:
http://www.amazon.de/Die-Kinder-von-Golzow-DVDs/dp/B000F4M9XW
http://www.johannisthalsynchron.de/Golzow.htm
ein super spannendes projekt, das dir bestimmt weiterhilft!
lieben gruß,
hannes
Am 25. März 2007 um 18:40 Uhr
hi karoline,
na ja aus meiner sicht habe ich die mädels schon damals nicht verstanden, außer das sie nur getuschelt und gekichert haben. und da du sicher keinen jungen spielst, werde ich dir leider keine große hilfe sein.
soweit ich mich erinnere, ist es bestimmt heute auch nicht viel anders als damals. ich bin sicher die heutige jugend hat die gleichen sorgen. vielleicht war der neidfaktor nicht so groß und der zusammen halt war besser. immerhin gab’s diese ganzen klatsch- und tratschsender nicht, das internet musst du dir auch weck denken und ein telefon hausanschluss war auch ein 5er im lotto. wir hatten ja auch die markenklamotten nicht im überfluss. damals und heute habe ich keinen unterschied gemacht zwischen arm oder besserverdiener (die gehaltsschere war nicht so groß), letztendlich ist es doch der charakter der zählt. für politische themen hat sich so gut wie keiner interessiert. erst ab der lehre, da habe ich einfach erst mal gesehen wie der staat gewirtschaftet hat. letztendlich war ja auch alles vorgezeichnet, ich meine man machte sich keine großen gedanken was man für ziele im leben hat. warum auch? was mich interessierte durfte ich sowieso nicht machen. ich kam zu der erkenntnis das meine eltern mit 40 alles maximale erreicht hatten was dieser staat zu bieten hat. das heißt wohnung, auto, 1x urlaub im jahr nach ungarn und garten.
im unterricht bin ich mit dem finger über die länder vom atlas gestreift, die ich sowieso nicht besuchen durfte. komischerweise haben mich die brüderstaaten nicht interessiert. ich fand den russisch unterricht grausam. damals wurde die freundschaft einem aufgezwungen. heute ist das anders, war letztes jahr mit dem fahrrad in st. petersburg, hätte nie gedacht wie freundlich und hilfsbereit die menschen sind, ein tolles land. (außer das die wenigen radwege katastrophal und man über wasser-, wärme- und energieverbrauch sich nicht erst beschäftigen sollte, das wichtige ist es funktioniert ) vieles hat mich dort einbisschen wie damals erinnert, besonders die arbeitsweise.
gelesen habe ich meistens „sport und technik“, eine zeitschrift. das blatt war meistens schnell ausverkauft. wahrscheinlich wegen dem kleinen bild auf der letzten seite. (heute übernimmt die bild diese aufgabe, allerdings auf der ersten seite)
auch die bravo zeitungen wurde fleißig gelesen und gesammelt. sie waren halt nicht immer aktuell, aber das ist egal ob nun 3, 6 monate oder 1 jahr alt. ich fand sie immer interessant und wurden heimlich in der schule ausgetauscht. so lange niemand erwischt wurde und keiner groß werbung machte war alles ok. s/w kopierte poster habe ich mir an die wand gehenkt – verrückt oder? die musik ging klar in westliche richtung. abends wurde fleißig radio gehört und aufgenommen. br3 war mein sender, der empfang war besser. (drei straßen weiter war’s der ndr) man hat sich getroffen, gefeiert und abgehangen. ich fand rauchen war bei den mädels eine etwas größere sucht.
es wurden viele sportveranstaltungen durchgeführt und irgendwann kamen die vielen armee gespräche. nach dem motto 3 jahre ist doch eine gute sache. nicht mit mir! wahrscheinlich bin ich deswegen mit 18 bei den baupionieren gelandet. am anfang gab es noch kein ausgang und es zerbrachen viele liebesherzen. da dann auch schon die wende kam, durfte ich nach 11 monaten nva und 1 monat bundeswehr, inkl. mit abfeuern von 6 schuss platzpatronen im gesamten jahr (ich bin so stolz), nach hause gehen. und die ddr war geschichte.
mir fällt noch ein, dass damals meine mutter mir auch viele klamotten genäht hat. selbst ist der mann äh die frau.
welchen zeitabschnitt und alter sollst du den spielen?
bye david
Am 27. März 2007 um 11:06 Uhr
Wow. Vielen Dank für die Tipps und diesen sehr hilfreichen Erlebnisbericht. Das ist genau das was ich brauche für meine Recherche.
Am 2. April 2007 um 09:24 Uhr
Hallo Karoline,
in der Wochenzeitung “Zeit” hat man Zeitzeugen gebeten,
über ihre Jugend in der DDR zu schreiben:
Was habt ihr geraucht? Welche Musik habt ihr gehört?
Stell dir vor, es wäre noch mal 1988…
Du findest den Artikel online unter:
http://zuender.zeit.de/2006/46/jugend-ddr-index
Deine Recherchearbeit als Hausaufgaben zu bezeichnen, finde ich ziemlich treffend; zu Schulzeiten war man dem Lehrer unterstellt, jetzt dem Regisseur.
Karoline, ich wünsch dir viel Erfolg dabei und werde das hier bei Gelegenheit ein wenig weiter verfolgen!